Einige Künstler, unter anderem der Naturforograf Radomir Jakubowski, haben vor längerer Zeit schon mit einer Aktion auf den Umgang mit Bezahlung für Kunstschaffende aufmerksam gemacht. Kunstwerke brauchen Wertschätzung und fallen nicht unter die Kategorie „Das kannst du mir doch auch schenken“. Der Artikel im Blog des Fotografen (und Quelle des Bildes rechts): http://naturfotocamp.de/blog/post/nofeenocontent
Dieses Thema ist auch in der Malerei immer wieder präsent.
Wenn man sich dazu entschließt seine Kunst der Öffentlichkeit zu zeigen und auch anzubieten, ist das oft ein großer Schritt. Früher oder später heißt das auch, dass man sich über Preise Gedanken machen muss, die man für seine Bilder nimmt. Das gilt nicht nur für Bilder – auch Handarbeiten, handwerklich gefertigte Arbeiten, Fotografien wollen letztendlich mit einem Preis versehen werden. Für den Künstler heißt das, dass man seiner eigenen Arbeit einen Geldwert zuordnen muss. Aber welchen Wert hat die Kunst, die einem so sehr am Herzen liegt, die einem aus der Seele spricht und die mit Herzblut und teils enormem Aufwand entstanden ist ?
Die Kommentare zu den Preisen
Meistens erlebt man von seinem Publikum Wertschätzung. Aber mindestens genauso oft erntet man Kommentare, die Bidler seien zu teuer oder die Preise seien vermessen. Aussagen wie „Das könnte ja meine Enkeltochter genauso gut!“ bei abstrakter Kunst, oder „Ja, mit so einer Ausrüstung kriegt man das ja auch hin!“ bei Fotografien oder einfach nur ein „Na das ist es aber nun wirklich nicht wert!“ bei gemalten Bildern, oft hinter vorgehaltener Hand, springen einem ebenfalls entgegen. Gerade diejenigen unter uns, die Kunst nicht hauptberuflich betreiben (ironischer Weise übrigens oft deshalb, weil man von den zu erwartenden Einkünften nicht leben könnte), kennen solche Aussagen vermutlich. Wahnsinnig häufig steht man auch oft der Erwartung gegenüber, dass man seine Kunst eigentlich verschenken kann, weil man „das doch eh nur aus Spaß an dem Hobby“ macht. Und was man sowieso in seiner Freizeit macht, ist anscheinend weniger wert. Ich persönlich denke, dass vielen Leuten einfach nicht bewusst ist, was letztendlich hinter einem vermeintlich einfach gemalten Bild, hinter einer guten Fotografie oder einem anderen, handwerklich gefertigten Stück steckt.
Was steckt drin im Preis für die Kunst?
Natürlich gibt es auf der einen Seite den Sachwert für Material und Zeitaufwand. Kunstmaterial ist teuer, und kein gutes Kunstwerk entsteht mal eben im Vorbeigehen. Manche Maler berechnen ihre Preise entsprechend ganz pragmatisch nach Zeitaufwand, nach Materialkosten, oder nach Bildgröße.
Der eigentliche Wert der Kunst geht aber bei Bildern schon mit dem Motiv selbst los. Das muss gefunden werden, in Szene gesetzt werden. Bildaufbau und Farbwahl sind bei guten Bildern nicht dem Zufall überlassen, sondern durchdacht. Schon bevor der erste Strich Farbe überhaupt auf dem Papier landet, stecken Zeit und Gedanken des Künstlers in seinem Werk. Jeder ernst zu nehmende Fotograf beispielsweise denkt nach BEVOR er den Auslöser drückt, lenkt und arrangiert Licht und Motiv bestmöglich, um das bestmögliche Ergebnis zu erhalten. Auch der Weg, den man zurücklegen muss, um sein Motiv überhaupt zu erreichen, kann hohen Aufwand verursachen - man denke an Fotos aus anderen Kontinenten, oder an plein air gemalte Bilder.
Auch das Präsentieren der eigenen Werke will bezahlt sein. Galeristen stellen Kunstwerke nicht aus Nächstenliebe aus, sondern weil auch sie davon leben müssen. Ein beträchtlicher Teil der Preise für Kunst fließt oft schon dort hin. Selbiges gilt für temporäre Ausstellungen bei Messen, Kunstmärkten oder ähnlichen Veranstaltungen, selbst für die Teilnahme mit den eigenen Werken an Wettbewerben. Auch das Bekanntwerden und sich zu zeigen kostet jeden Künstler Geld.
Am Ende jedes Kunstwerkes haben sich Zeit und Material, aber auch jede Menge andere Kosten, Gedanken, Fachwissen, Mühe und letztendlich auch Engagement und nicht zuletzt die Liebe zur eigenen Kunst aufsummiert. Und vor allem die letztgenannten Punkte machen ein Kunstwerk zu dem, was es ist. Sie geben einem Werk seinen Charakter und die eigene Handschrift des Künstlers. Kunst – egal welcher Art – bedeutet nicht, dass man von der Muse geküsst in sein Atelier schwebt, schwungvoll seinen Seidenschal über die Schulter schmeißt und mal eben aus dem Handgelenk ein Meisterwerk auf die Leinwand pinselt. Gute Kunst bedeutet Arbeit, oft viel Frust, aber auch viel Wissen und Können hinsichtlich Handwerk und Technik, außerdem Einsatz von Geld und vor allem jeder Menge Zeit und Gedankengut. All das ist nichts anderes als eine lebenslange Ausbildung, die man durchläuft, und die Künstler zu Fachleuten macht.
Wer braucht Kunst schon wirklich?
Natürlich müsste man das alles nicht auf sich nehmen, wenn man nicht von seiner Kunst leben möchte, sondern sie als Ausgleich zum Alltag sieht. Und natürlich lieben Künstler das, was sie tun – sonst würden sie es nicht tun, keine Frage. Nichts desto trotz gibt es auch genug Automechaniker, Elektrotechniker oder IT-Mitarbeiter, die ihren Beruf lieben, und die schlichtweg ihre Arbeit tun, weil das ihr Herzenswunsch ist, und nicht, weil sie diesen Beruf gezwungenermaßen ausüben müssen. Nur weil man etwas auch gern tut, heißt das nicht, dass es keine Bezahlung wert ist.
Dann gibt es diejenigen, die entgegnen „Aber Kunst BRAUCHT man nicht unbedingt – Köche, Elektriker, Mechaniker, Ärzte dagegen schon. Kunst ist Luxus.“ Das mag je nach persönlicher Ansicht stimmen. Aber kein einziges Bild wäre bei Ikea zu kaufen, keine Tapete mit Muster wäre verfügbar, kein Kleidungsstück würde sich vom anderen unterscheiden, und nicht einmal Autos, Haustüren oder Gartenzäune sähen unterschiedlich aus, wenn es nicht einen Fotografen, einen Designer oder einen Handwerker gäbe, der sie mit Mühe und Liebe zum Detail entworfen hätte. Kaum ein Alltagsgegenstand existiert, der nicht irgendwo ein Stück eines Künstlers in sich trägt. Selbst hinter jeder Urlaubspostkarte steckt ein Fotograf, der erst mal auf den abgebildeten Berg hochkraxeln musste, um das auf der Karte zu sehende Alpenpanorama abzulichten. Kunst ist in unserem Alltag allgegenwärtig, wenn auch oft unbemerkt. Ohne Kunst wäre unser aktuelles Alltagsleben kaum denkbar. Und deshalb hat Kunst eine gewisse Wertschätzung einfach verdient.
Kunst zu jedem Preis?
Ich will auf keinen Fall sagen, dass jeder Preis, der an jedem Bild hängt, für mich gerechtfertigt erscheint, oder dass ich selbst jeden Preis für jegliche Kunst in den Galerien nachvollziehen kann. Und selbstverständlich gibt es auch bei mir die Momente, in denen ich vor Kunstwerken stehe, mir den Kopf kratzen muss und denke „Hä?!“, weil sich mir weder Sinn noch Preis des Kunstwerkes erschließen. Aber bevor man sein Urteil über Kunstwerk und Preis fällt, sollte man fairer Weise wenigstens einmal kurz darüber nachdenken, was sich hinter diesem Werk verbergen mag an Zeit, Materialkosten, Tränen, Schweiß und Mühen.
Zu guter Letzt
Auch ich wäre also bei Weitem nicht dazu bereit für jede Kunst jeden Preis zu bezahlen oder zu rechtfertigen. Sicherlich gibt es auch am Kunstmarkt gnadenlos übertriebene Preisvorstellungen - wie auch bei Autos, Kleidung, Smartphones. Aber es gibt, genau wie bei Autos, Kleidung und Smartphones, sicher auch für jedes Kunstwerk seinen Käufer, dem es wert ist, den verlangten Preis zu zahlen.
Letzten Endes möchte ich meinen Lesern ein wenig die Augen dafür öffnen, dass gute Kunst nichts ist, das mal eben nebenher entsteht. Dass gute Kunst nicht entsteht und dann eigentlich übrig ist und verschenkt werden kann, weil sie einem nichts bedeutet. Dass gute Kunst nicht nur von hauptberuflichen Künstlern mit bekannten Namen einen Wert hat, und dass hinter Kunst weit mehr steckt, als nur Luxus, den eigentlich niemand richtig braucht.