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Kleine Skizzen auf Zeit

Auf die Schnelle und unter Druck

Die Uhr tickt! Wirklich kleine Studien in kürzester Zeit gemalt, das stand schon ewig auf der Liste der Dinge, die ich mal ausprobieren wollte. Vor einer ganzen Weile habe ich dann wirklich einfach angefangen, anfangs etwas skeptisch. Und was macht das, entgegen aller Erwartungen, für einen Spaß!

Wie und was?

Ich suche mir halbwegs wahllos irgendein Motiv aus. Entweder etwas, das mir gerade vor der Nase herumsteht, oder eine Fotovorlage. Nicht lange überlegen.

Dann greife ich zu einem passenden Stückchen Papier und stelle meinen Wecker. Der bimmelt nach 10 Minuten. Meist mache ich dann noch zwei, drei Striche lang weiter, ich komme also grob auf 12 Minuten pro Bild. Sobald die Uhr läuft, mache ich eine schnelle Skizze direkt auf dem Papier und dann geht es mit den Pastellen los: zuerst male ich die groben, großen Formen, dann nach und nach die kleineren.

 

Warum klein, warum auf Zeit?

Sowohl wirklich kleine Formate als auch das Malen auf Zeit haben beide den einen, großen Vorteil: Es gibt keinen Platz und keine Zeit für Details.

Mein ursprünglicher Gedanke war, dass ich im Optimalfall gern in wenigen Strichen das Wesentliche eines Motivs zu Papier bringen möchte (im Englischen fällt hier oft der allzu treffende Ausdruck "Nail it down"). Es geht auf keinen Fall um genaue Darstellung, sondern ausschließlich darum eine Stimmung einzufangen. Dafür braucht man eigentlich nicht viel. Aber die Details lenken immer wieder den Blick vom Wesentlichen ab, und man verliert sich beim Malen nur allzu oft und gern darin. Davon möchte ich weg kommen. Also: Üben!

 

Die Lerneffekte

Seit einer Weile bin ich jetzt dabei auf Zeit zu malen, so oft es geht. Und was macht das Spaß! Was ist so schön daran?

  • Ich male wirklich fast jeden Tag. Die Viertelstunde kann ich mir eigentlich immer irgendwann zwischendurch nehmen, und das gibt mir das gute Gefühl etwas für mich getan zu haben.
  • Ich habe schnell ein Ergebnis in der Hand. Schön oder nicht ist erst einmal egal. Aber ich habe etwas Neues gemalt und kann damit weiter arbeiten.
  • Ich lerne zusehends schneller das Wesentliche einer Stimmung zu erfassen. Ein Lichtfleck in einer Wolke, der entscheidend war, oder ein Schatten. Man kriegt einen Blick für die relevanten Dinge.
  • Ich verliere mich mit der tickenden Uhr im Nacken nicht in Unwichtigem. Dann ist es eben nicht ganz die richtige Farbe - na und?! Wird schon passen. Dann ist die eine Form eben anders als auf der Vorlage - es wird dem Bild nicht schaden. Ich lerne besser zu improvisieren.
  • Kleine Formate auf Zeit gemalt, das ist die beste Vorbereitung für die Plein Air Malerei. Draußen muss man wechselnde Lichtverhältnisse einfangen, klein und schnell.

 


Mein Fazit

Ich war wirklich skeptisch, ob diese Herangehensweise mir gefällt. Aber gleich nach dem ersten Bild war klar, dass ich das weiter machen werde. Es macht unglaublich Spaß ohne Ansprüche an ein fertiges Bild einfach drauf los zu malen. Und wenn etwas nicht hinhaut, dann ist das einfach absolut egal. Was für ein befreiendes Gefühl! Ich erfasse das Wesentliche einer Stimmung viel besser, sehe auf die Schnelle welche Formen und Farben hier die wichtigen sind, und lasse den Rest einfach weg. Und wenn hinterher doch wirklich etwas fehlt, verbietet mir ja niemand das noch nachzuarbeiten. Aus meiner Sicht ist das Malen auf Zeit eine tolle Sache, die sich lohnt, und die ich jedem empfehlen würde!