Gefühlt hat wohl kaum jemand, der beruflich noch anderweitig tätig ist oder Verpflichtungen hat, die Zeit zum Malen, die er sich wünscht. Es gibt immer etwas, das einem dazwischen kommt. Wer es sich selbst aber leichter machen möchte, doch regelmäßiger zu malen und am Ball zu bleiben, der kann vielleicht schon bei seinem Material und der Einrichtung des Arbeitsplatzes etwas bewirken. Mir haben die folgenden Dinge dabei sehr geholfen.
Einen eigenen Platz zum Malen schaffen
Sicher ist das nicht immer leicht, und auch nicht für jeden machbar, Platzmangel ist oft ein Problem. Aber wenn man einen eigenen (wenn auch noch so kleinen) Platz für die Malerei einrichtet, an dem alle Materialien schon griffbereit liegen, ist die Hemmschwelle zum Loslegen schon deutlich geringer, als wenn man erst mal alle Materialien hervorkramen und seinen Malplatz einrichten muss.
Alles griffbereit halten
Je weniger Vorbereitungen nötig sind, desto eher fängt man wirklich an zu malen und schiebt nicht nur Dinge von links nach rechts. Ich habe z.B. immer passend zugeschnittenes oder untermaltes Papier bereit liegen. Neu gekaufte Farben werden direkt in die Palette einsortiert und nicht erst, wenn ich eigentlich loslegen will. Wenn man einmal bewusst darauf achtet, was man eigentlich alles macht, bevor man dann wirklich anfängt, kommt eine Menge zusammen, das man schon vorbereitet haben könnte!
Den Arbeitsplatz einrichten
Ich male mehr, wenn ich weiß, wo alles liegt und wie es sortiert ist. Meine Pastelle sind nach Tonwerten geordnet. Die Farben stehen links von der Staffelei, bestimmte Utensilien liegen rechts davon. Was ich nicht benutze, liegt auch nicht herum. Alles ist so sortiert, dass ich nichts lange suchen muss. Beim Malen automatisch zu wissen, was wo liegt, macht Arbeitsabläufe unkomplizierter (wer auf einer Tastatur erst jeden Buchstaben suchen muss, tippt auch wesentlich weniger gerne, als jemand, der jede Taste kennt und blind tippen kann).
Nacharbeiten minimieren
Genauso nervend wie die Vorbereitungen können Nachbereitungen sein. Jeder Ölmaler kann ein Lied vom lästigen Pinselwaschen singen! Bei Pastellen ist es das Staubsaugen hinterher, oder man muss seine Staffelei abbauen, das noch nicht fertige Bild wegräumen, Tische abwischen, Utensilien wieder einsortieren. Davon vermeide ich, so viel ich kann. Ein eigener Platz zum Malen verhindert das Wegräumen. Staubsaugen kann man sich ggf. durch einen simplen Staubfänger an der Staffelei sparen. Sicher lässt sich nicht alles vermeiden. Aber ich kann den ungeliebten Rattenschwanz "Aufräumen" kürzer machen, damit ich nicht wegen der Aussicht auf diese ungeliebten Tätigkeiten gar nicht erst anfange zu malen.
Falschen Geiz beiseite
Ich gehöre sicher nicht zu den Materialverschwendern. Materialien sind teuer geworden. Aber manchmal läuft man Gefahr Sparsamkeit dem eigenen Fortschritt überzuordnen und dann wichtiges Üben mit Verschwendung zu verwechseln. Das sollte nicht passieren, denn wer nicht übt, kommt leider auch nicht voran. Sicherlich lässt sich z.B. weniger hochwertiges Material am besten bei Übungen oder Skizzen aufbrauchen. Aber zum Üben ausschließlich billiges Material zu nehmen, oder nur "ganze" Bilder zu malen anstatt zu üben, ist meines Erachtens kein guter Weg. Im Gegenteil: Je mehr ich mit dem Material übe, das ich auch für die größeren Bilder nutzen will, desto sicherer und besser werde ich im Umgang damit. Das ist keine Materialverschwendung, sondern eine gute Investition in den eigenen Fortschritt. Ansonsten steht man, wenn es an die richtigen Bilder geht, wieder ganz am Anfang und muss sich erst mal neu ins Material reinfuchsen – mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu frustrieren. So hat man durch die Sparsamkeit an dieser Stelle letztendlich nicht viel gewonnen.
Was man hat, darf man benutzen
Gerade teures, hochwertiges Neumaterial landet kurioser Weise gerne erst mal im Schrank. Originalverpackt, versteht sich. Das spart man sich dann lieber für später auf, wenn man das Gefühl hat „gut genug“ zu sein dafür. Aber ganz ehrlich? Dieses „später mal“ wird in den meisten Fällen zu einem „nie“. Wie schade, und wie traurig! Neues Material macht Spaß! Benutzt es, und nicht erst später, sondern jetzt. Nehmt neues Material als Motivation direkt loszulegen, denn immerhin warten da vielleicht ganz neue Aha-Momente und Erkenntnisse.