Warum (neue) Pastellstifte?
Der Hersteller Sennelier hat neue Pastellstifte auf den Markt gebracht. Stifte nutze ich hin und wieder, um eher filigrane Striche auszuarbeiten. Für mich ist dabei wichtig, dass die Stifte einen kräftigen, sichtbaren Strich hinterlassen. Das Problem bei Pastellstiften ist, dass sie oft sehr hart sind und eher wenig Pigment abgeben, man sieht sie einfach kaum. Das gilt insbesondere, wenn schon mehrere schichten Pastell darunter gemalt sind und ich darauf dann zum Schluss die Feinheiten setzen möchte. Die Pastelle von Sennelier haben eine sehr gute Qualität und sind sehr weich mit kräftigem Farbabrieb auf dem Papier. Meine Hoffnung war deshalb, dass das jetzt auch für die Pastellstifte gilt. Bislang habe ich hauptsächlich Pastellstifte der Marke Caran d'Ache benutzt. Auch Pastellstifte von Derwent und Faber-Castell sind Teil meines Sortiments, aber Caran d'Ache überzeugt mich bisher noch am ehesten. Im Folgenden mein Eindruck von den Sennelier Pastellstiften:
Die Pastellstifte und der Test
Die Stifte von Sennelier haben keine Mine mit Holz darum, wie bei den anderen Herstellern, sondern sind komplette "Pastellblöcke" in Stiftform. Sie sind bei mir teils bereits zerbrochen angekommen. Ein Stift ist beim Malen selbst gebrochen. Gestört hat mich das aber nicht sehr. Ich zerbreche meine Pastelle ohnehin meistens. Für mich war das eher ein Zeichen dafür, dass der Anteil an Bindemittel nicht allzu hoch zu sein scheint, also mehr Pigment und weichere Stifte.
Getestet habe ich möglichst ähnliche Farben der Pastellstifte aller vier Hersteller auf einem Papier von Ingres, außerdem auf Pastelmat-Papier von Clairefontaine und auf der Pastel Card von Sennelier. Ich habe sowohl feine Striche aufgetragen, als auch einen eher flächigen Farbauftrag ausprobiert. Dann habe ich über eine dunkel gemalte Fläche helle, feine Striche gesetzt - das ist die Situation, in der ich in meinen Bildern Pastellstifte am häufigsten einsetze (dunkel gemalter Hintergrund und darauf gesetzte hellere Masten, Zaunpfähle o.ä.).
Testergebnis und Eindruck
Die Bilder unten zeigen den ersten Test der Pastellstifte auf den unterschiedlichen Papieren (zum Vergrößern klicken). Für mich waren beim Malen deutliche Unterschiede direkt bemerkbar.
Die feineren Striche mit den Sennelier Stiften waren vergleichsweise schwach. Ich musste schon stark drücken, um Farbe auf das Papier zu bringen. Mit den Pastellstiften von Caran d'Ache und auch von Faber-Castell war das deutlich einfacher. Was ich aber mag, ist, dass die Stifte ein solider Pastellkörper sind und nicht nur eine dünne Mine aus Pastell haben. So kann man auch mit der "Breitseite" malen.
Das Übermalen dunkler Flächen mit dem hellen Stift von Sennelier war nur bedingt möglich (s. Bilder auf Pastelmat und Sennelier Papier). Es legt sich zwar eine dünne Schicht Pigment über den dunklen Untergrund. Aber im Vergleich zu dem Caran d'Ache Stift erkennt man, dass deutlich weniger Pigment auf dem Papier haften bleibt, das Helle deckt nicht so gut. Die Stifte von Faber-Castell haben sich ähnlich verhalten wie die von Sennelier, und das Übermalen der dunklen Fläche mit hellem Stift ging eher schlecht. Beide würde ich nach dem ersten Auftakt als eher schwach einstufen, was die Abgabe des Pigments an die Papiere betrifft, unabhängig vom Papier. Die Stifte von Caran d'Ache hinterließen im Vergleich mit den anderen Herstellern die kräftigsten Striche bei meinem Test. Derwent reiht sich irgendwo zwischen Caran d'Ache und Sennelier/Faber-Castell ein.
Mein Fazit zum ersten Test
Damit schneiden die neuen Pastellstifte von Sennelier für mich im ersten Fazit leider eher schwach ab. Ich hätte mir doch mehr davon versprochen, da es hier immerhin um einen namhaften Hersteller von sonst hervorragenden Pastellfarben geht. Und gerade der kräftige Strich, den sie auf dem Papier hinterlassen, kennzeichnet eigentlich die herkömmlichen Pastelle von Sennelier. Für die Pastellstifte gilt das meinem jetzigen Eindruck nach aber leider nicht so richtig.


