Das Malen fremder Vorlagen - Copyright in der Kunst


Ist das schön! Das muss ich malen!

 

Ach, was gibt es für schöne Bilder auf der Welt! Gemälde oder Fotos, ganz egal. Und wenn man malt, und man sieht auf einmal eines dieser Bilder, die einem fast die Sprache verschlagen, weil die Farben explodieren, das Licht so herrlich fällt, oder das Motiv genau das ist, was man selbst so sehr liebt, dann ist der Weg nicht weit zu dem Gedanken „Ohhh! Das will ich malen!“ Oder man weiß einfach nicht so recht, was man malen soll. Aber macht nix, das Internet hilft, hier wartet ein unendlicher Fundus an Motiven! Und schwupps – gesagt, getan, malt man eifrig drauf los um diese herrlichen Motive auf der eigenen Leinwand festzuhalten.

 

 

Nun kommt vielleicht die nächste Ausstellung, oder man kann bei Gelegenheit mal ein paar Bilder auf eine andere Art einem kleinen Publikum präsentieren. Und da dieses eine Bild wirklich gut die Stimmung wiedergibt, die die Vorlage so herrlich eingefangen hat, findet sich also auch ein nach Vorlage aus dem Internet gemaltes Bild in der Ausstellung wieder. Und genau da fängt sie an: Die Grenze zum Urheberrecht, das man mal eben nebenher ganz unbedacht (und oft nicht aus böser Absicht, sondern viel mehr ohne überhaupt davon zu wissen) verletzt.

 

Darf man fremde Bilder malen?

 

Ganz nüchtern und vereinfacht betrachtet ist das Kopieren oder die Nutzung fremder Bilder schlichtweg nicht erlaubt. Es verstößt gegen das Urheberrechtsgesetz. Das Urheberrecht schützt, einfach gesagt, das Werk selbst, aber auch die geistige Arbeit, die ein Urheber oder Schöpfer in sein Werk steckt. Das Urheberrecht erstreckt sich dabei über ganz verschiedene Bereiche: Schriftstücke, Texte, bildende Künste, aber auch Choreografien, Musik und dergleichen unterliegen dem Urheberrecht. Und hier ist mitunter durchaus Vorsicht geboten! Sofern ein Urheber es ernst meint, können Abmahnungen, Forderungen auf Schadensersatz oder Unterlassungserklärungen ins Spiel kommen.

 

 

Ob die Folgen einer Urheberrechtsverletzung wirklich „schlimm“, oder eher ärgerlich sind, hängt vermutlich von vielen Umständen ab. Um was für ein Bild handelt es sich, welchen Wert hat es, entsteht dem eigentlichen Schöpfer ein Schaden, wenn das Werk unerlaubt vervielfältigt wird? Auch das sollte man bedenken, ehe man achtlos Bilder kopiert.

 

Wenn jemand von seiner Kunst lebt – Gemälde, Fotografien, was auch immer – und dann kopiert jemand anders die eigenen Werke und verkauft sie weiter, so entsteht dadurch im Zweifel sogar ein finanzieller Schaden.

 

Neben diesen nüchternen und juristischen Betrachtungen kommt aber noch ein ganz anderer Aspekt dazu. Und der spielt vermutlich bei jedem Künstler, der seine Werke kopiert findet, irgendwo eine Rolle: Der emotionale Aspekt.

 

 

Was soll denn daran so schlimm sein? Ist doch nur ein Foto...

 

Als Antwort auf diese Frage kann man sich am besten in den Schöpfer eines Bildes hineinversetzen:

 

Es steckt so unglaublich viel in einem Bild drin, das man malt. Ich habe als Künstler ein Motiv im Kopf, und das soll einen bestimmten Effekt erzielen, eine bestimmte Bildwirkung. Vielleicht möchte ich gerne eine bestimmte Stimmung darstellen, oder eine Farbe besonders leuchten lassen. Um das zu erreichen, muss ich mir zwangsläufig jede Menge Gedanken darum machen, wie ich das nun hinkriege. Ich mache mir Gedanken um das Format, um die Komposition, um die Farbwahl, um wirklich jeden einzelnen Strich, den ich zu Papier bringe. Bis das Ergebnis so ist, wie ich es haben wollte, vergehen Stunden. All mein Wissen fließt in das Bild mit ein. Hinter einem guten Bild steckt eben vor allem eins: viel Arbeit.

 

 

Und genau das gilt auch eins zu eins auch für Fotos. Ein gutes Foto ist nicht schlichtweg ein Schnappschuss, den jeder hätte machen können. Hinter einem guten Foto stecken in der Regel erst einmal Körpereinsatz und Unannehmlichkeiten. Um die wirklich guten Bilder zu machen, reicht es nunmal oft nicht aus, sich mittags auf eine hübsch asphaltierte Straße zu stellen und den Auslöser einmal zu drücken. Im Gegenteil: Man kraxelt vor Sonnenaufgang auf Berge, man kriecht über den Boden, man friert sich die Finger und Füße ab. Davon abgesehen investiert man in sein Material, und das nicht zu knapp. Und obendrein kommt auch hier wieder die geistige Leistung dazu: Wenn ich Fotos mache, dann mache ich mir Gedanken um die Komposition, um die Belichtung. Zu welcher Tageszeit will ich das Motiv fotografieren? Muss ich zu einer anderen Tageszeit nochmal wiederkommen? Aus welchem Winkel muss ich fotografieren, um eine bestimmte Bildaussage zu erhalten? Wie muss ich stehen, damit mein Licht so wirkt, wie ich es möchte? Welche Möglichkeiten habe ich technisch, die Stimmung einzufangen, die ich hier gerade wahrnehme? Und durch all das trägt am Ende ein gutes Foto auch immer die Handschrift des Fotografen. Es ist ein Kunstwerk. Nur eben als Foto anstatt als Gemälde. Und es ist schon wieder eines: viel Arbeit.

Aber egal ob Gemälde oder Foto, die Arbeit lohnt sich! Was für ein herrliches Erlebnis, sein eigenes Bild nach Mühe, Anstrengung, Verzweiflung und Fleiß in den Fingern zu halten und zu denken: Genau so wollte ich es haben!

 

 

Bleiben wir in der Perspektive des Künstlers:

 

Nun geht man zu einer Ausstellung um die Ecke. Und auf einmal lächelt einem da ein alter Bekannter entgegen: Das eigene Bild, gemalt von jemand anderem, versehen mit einem Preisschild an der Wand. Eine gute Perspektive zeigt das Bild. Ganz wie die Vorlage. Und ein herrliches Licht. Fast genauso, wie auf meiner Vorlage. Die ich mühevoll mit viel Liebe, kalten Fingern, investiertem Material, oder nach endlosen verzweifelten Versuchen so hingekriegt habe, wie ich sie haben wollte. Der Hohn schlechthin ist es, wenn dann andere Besucher der Ausstellung an dem Bild vorbeilaufen und man schnappt Kommentare auf wie „Herrlich, dieser Bildaufbau! Das muss man erst mal hinkriegen!“

 

 

Und aus dieser Perspektive nochmal dieselbe Frage: Was ist nun so schlimm daran, anderer Leute Bilder nachzumalen?

 

Wie gesagt, die nüchterne Antwort ist simpel, dass es nicht erlaubt ist. Die emotionale Antwort kennt man, wenn man sich einen Moment lang einfach in den kopierten Künstler hineinversetzt.

 

 

 

Aber das Gras auf der anderen Seite...!

 

Die anderen Fotos sind aber immer viel besser als meine!

 

 

Ob es nun aus künstlerischer Sicht überhaupt empfehlenswert ist, ein Bild eins zu eins kopieren zu wollen, oder ob man nicht auch mit einem vermeintlich weniger gelungenen Foto seine Kunst zum Ausdruck bringen kann, ist eine generelle Frage. Aber der Weiterentwicklung als Künstler hilft es zudem enorm, wenn man sich selbst schon beim Erstellen der eigenen Fotos ein paar Gedanken um Bildwirkung und Komposition macht. Spätestens beim Malen sollte man das eh tun, und sich nicht blind auf ein Foto verlassen, sei es ein fremdes oder das eigene. Und wenn man mit dem Gedanken, ein gutes Foto als Vorlage zum Malen machen zu wollen, durch den Sucher der Kamera guckt, dann ist es auch sicherlich nicht mehr weit bis zu dem Punkt, an dem die anderen Fotos nicht mehr besser erscheinen als die eigenen.

 

Aber von dem Motiv habe ich keine Fotos!

 

Wer einen Urwald malen möchte, kann ja nun auch verständlicher Weise nicht gleich für ein eigenes Foto mal eben dorthin reisen.

 

 

Die gute Nachricht: Es gibt einen so einfachen Weg, die Fotos anderer Leute malen zu können: Fragen! Man muss nichts weiter tun, als sich die Erlaubnis des Fotografen oder Malers einzuholen, dessen Bild man malen möchte. Und in den meisten Fällen freuen sich die Leute und erteilen die Erlaubnis dazu auch gerne. Aber die Zustimmung braucht man. Und sollte jemand seine Erlaubnis nicht geben, muss man aber auch das akzeptieren. Immerhin hat er im Zweifelsfall viel Arbeit in das Foto investiert, oder er lebt von seiner Kunst, oder, oder, oder.

 

Und bei Ausstellungen und Wettbewerben?

 

Was jedoch prinzipiell nicht gemacht werden sollte, ist „kopierte“ Bilder in Ausstellungen zu zeigen. Fast immer wird bei Ausstellungen, die man nicht selbst organisiert, sogar bewusst danach gefragt bzw. darauf hingewiesen, dass nur eigene Bilder gezeigt werden dürfen. Gegebenenfalls ist es erlaubt nach fremden Vorlagen gemalte Bilder zu zeigen, sofern der eigentliche Fotograf namentlich erwähnt wird, und zusätzlich der Hinweis, dass eine Erlaubnis vorliegt das Bild zu malen. Gleiches gilt für Kunstwettbewerbe, Foren, soziale Netzwerke oder sonstige Kunstplattformen. Meistens muss man hier mittlerweile einer Copyright-Erklärung zustimmen. Und selbst wenn man nicht gezielt dazu angehalten ist, sollte man sein Bild der Fairness halber mit einem entsprechenden Verweis versehen.

 

Merkt doch eh keiner...

 

Oh doch! Wirklich. Die Welt ist klein, und die Kunstwelt sowieso. Und beliebte, sehr besondere oder sehr gute Motive verbreiten sich oft in kürzester Zeit. Es wird früher oder später immer jemandem auffallen, wenn man ein Motiv schonmal woanders gesehen hat. Dann gefragt zu werden "Sag mal, das Bild hat doch eigentlich Künstler xy schon gemalt! Ist das von dem?", ist sicher nicht das Ziel einr eigenen Ausstellung.

 

 

Und letztendlich möchte man gerade in Ausstellungen ja auch eigentlich seine eigene Leistung präsentieren. Und auf ein Lob zum tollen Bildaufbau oder zur gelungenen Farbwahl kann man dann wirklich besonders stolz sein, wenn da die eigene Leistung gelobt wird, und nicht die Leistung des Fotografen oder Malers, der die Vorlage erstellt hat.

 

Ich möchte nur üben und lernen!

Es gibt so viele berühmte Motive, die zig mal kopiert wurden. Verboten? Nein. Das Copyright erlischt prinzipiell 70 Jahre nach dem Tod des Schöpfers eines Werkes (auch hier gibt es sicher juristisch geregelte Ausnahmen). Auch in Kursen werden Vorlagen häufig vom Kursleiter gestellt, und die Erlaubnis die Vorlagen zu nutzen, wird den Teilnehmern erteilt. Und natürlich kann es sogar hilfreich sein, zu Übungszwecken Bilder berühmter Künstler zu malen. In vergangenen Zeiten war das immerhin eine anerkannte Methode, die Kunst der Malerei zu erlernen. Dennoch gehört es eigentlich zum unausgesprochenen Künstler-Knigge, dass man Bilder, die nach Vorlage der Kursleiter oder unter dessen Mithilfe entstanden sind, nicht unbedingt in Ausstellungen präsentiert. Es gibt sogar Wettbewerbe, in denen bewusst darauf hingewiesen wird, dass keine in Kursen gefertigten Bilder eingereicht werden dürfen.

 

Gute Gründe für eigene Vorlagen

 

Ich persönlich tue mich seit Langem wahnsinnig schwer damit, anderer Leute Vorlagen zu malen. Ich habe die Szene dann einfach nicht selbst erlebt, habe nicht den Reiz des Motivs selbst wahrgenommen, hatte keine Chance, das Wesentliche und Faszinierende an diesem Moment für mich auszumachen. Und diese Wahrnehmung fehlt mir am Ende beim Malen. „Nachgemalte“ Bilder wirken häufig dann auch genau so: nachgemalt, aber eben nicht nachempfunden. Ihnen fehlt ein bestimmter Charakter.

 

 

Und ich selbst als Maler oder Künstler möchte eigentlich genau das erreichen, dass meine Bilder einen eigenen Charakter haben, und dass sie eine Stimmung so wiedergeben, wie ich sie empfunden habe. Und in ein und derselben Situation empfindet jeder etwas anderes als besonders anziehend. Wenn man mit 10 Leuten an einem Ort steht und malt, dann kommen am Ende 10 verschiedene Bilder dabei heraus. Und jedes Bild wird einen leicht anderen Schwerpunkt haben. Den einen hat vielleicht ein bestimmter Schatten besonders gereizt, den anderen eine besondere Farbe. Der eine nimmt ein Gebäude in voller Pracht und Größe wahr, während den nächsten sofort die kleinen Details am Mauerwerk desselben Gebäudes fasziniert haben.

 

 

Davon abgesehen schult es einfach enorm den Blick, die Wahrnehmung, und auch die Fähigkeit Gesehenes in Gemaltes umzusetzen, wenn man während des Malens über das nachdenkt, was man da tut, anstatt nur zu kopieren, ohne eigene Gedanken zu investieren. So oft kann ein Bild deutlich in seiner Wirkung dazugewinnen, wenn man nicht nur kopiert, sondern gezielt sein Wissen und sein Material einsetzt, um eine Bildwirkung zu unterstreichen.

 

 

Daher meine persönliche Meinung und ein Appell von Herzen an alle Maler: Nehmt euch nicht selbst die Möglichkeit eure ganz eigene Sichtweise auf die Dinge in euren Bildern zeigen zu können! Diese eigene Wahrnehmung macht ein Bild zu eurem Bild, und zu eurer Kunst. Vorlagen anderer Leute können auch nur die Sichtweise anderer Leute zeigen. Und vielleicht wäre eure eigene Sicht am Ende doch die schönere gewesen, die noch niemand vorher gemalt hat.

 

Ein Fazit in Kürze

 

  • Fremde Fotos oder Bilder einfach als Vorlage zu nehmen ist nicht erlaubt. Dabei handelt es sich nicht lediglich um ein Kavaliersdelikt, sondern um Verstoß gegen ein bestehendes Gesetz, im Zweifel inklusive der Konsequenzen!
  • Holt euch unbedingt die Erlaubnis ein, ein Bild malen zu dürfen, wenn ihr es unbedingt malen wollt.
  • Sollte man nach fremden Vorlagen gemalte Bilder in Ausstellungen zeigen wollen, gehört zumindest der Hinweis auf die Erlaubnis mit dem Namen des Fotografen mit ans Bild.
  • Erkundigt euch nach den Bedingungen zum Copyright, wenn ihr an Ausstellungen, Wettbewerben, etc. teilnehmen wollt.
    Schaut mit Maleraugen durch die eigene Kamera! Eine bessere Schule für Bildaufbau gibt es kaum. Fremde Vorlagen braucht man irgendwann nicht mehr.
  • Bleibt fair und denkt über die Arbeit nach, die andere Künstler in ihre Werke gesteckt haben, egal ob Gemälde oder Foto. Wie würdet ihr denken, wenn ihr euer eigenes Bild unerlaubt kopiert zum Verkauf angeboten seht?
  • Nehmt euch Zeit über eure Motive und deren Umsetzung nachzudenken. Wer einzigartige Bilder malen möchte, schafft das nicht, indem er fremde Vorlagen kopiert.