Wie das Papier beim Malen hilft


Es gibt so unendlich viele Pastellpapiere, und es lohnt sich wirklich damit zu experimentieren. Ich selbst habe schnell gemerkt, dass es etwas gibt, das ich gar nicht mag: weißes Papier. Kein einziges meiner Bilder - wirklich nicht eines - ist auf weißem Papier entstanden. Noch nie habe ich beim Papierkauf zu weißem Papier gegriffen. Wie sehr mir die Farbe des Untergrundes beim Malen mit den Pastellen wirklich hilft, ist mir aber erst im Laufe der letzten Jahre bewusst geworden. Was für eine Offenbarung!

Warum farbiges Papier?

 

Pastelle haben den Charme, dass sie sehr locker und dünn aufgetragen werden können. Der Untergrund schimmert durch, und sofort wirken die Bilder deutlich lebendiger und lockerer. Wenn ich die Farbe meines Untergrundes jetzt bewusst wähle, kann ich die Effekte der Untergrundfarbe wunderbar für die Bildwirkung nutzen:

 

 

                                                                                                                                                      

1. Die Bilder "atmen" lassen

Ich muss auf farbigem Papier nicht jeden Quadratmillimeter mit Pastellkreide füllen.

Ein dicker, pastöser Farbauftrag, der wirklich jede Pore des Papiers ausfüllt, kann zum Malstil passen. Aber meist wirken die Bilder sehr schnell "zugespachtelt", sie atmen nicht mehr, und das sieht man ihnen an. Es wird schwierig Farbschichten übereinander zu legen, Mischeffekte und subtile Farbnuancen zu nutzen. Oft wirken solche Bilder totgemalt. Wenn ich weißes Papier nehme, muss ich meist wirklich für jedes Stückchen Untergrund eine Farbe finden, um das Bild zu füllen - weiße Stellen sehen oft einfach blöd oder unfertig aus. Bei farbigem Papier bleibt mir das schlichtweg erspart.

 

 

Dieses Bild ist auf dunkelrot-violettem Hintergrund gemalt. Überall schimmert er durch (fast das ganze obere, linke Viertel des Apfels zeigt nur das rot-violette Papier!). Ich musste nur die hellen und die dunkleren Bereiche malen. Die Pigmente haben gefühlt Raum zu wirken, scheinen locker auf dem Papier zu liegen. Der Apfel kriegt seine Farbe ohne große Anstrengung von allein.

 

Dasselbe Motiv auf einem hellen Hintergrund gemalt. Auch der schimmert hier durch, allerdings nur punktuell und viel weniger flächig. Ich konnte schlecht hellgelbe Flächen im Apfel lassen, wo er eigentlich dunkel sein soll. Ich brauchte hier also deutlich mehr Farbauftrag und musste auch die Grundfarbe des Apfels selbst erst mal malen. Auch die Bildstimmung ist selbst auf diesem kleinen Ausschnitt schon eine andere als im oberen Bild.

2. Stimmungen in Bilder bringen

Durch eine bewusste Wahl der Farbe für meinen Untergrund entsteht schon meine Bildstimmung.

Ich kann mich am Anfang des Bildes, bevor ich nur einen einzigen Strich malen muss, für eine bestimmte Stimmung im Bild entscheiden. Ist das nicht der pure Luxus?! Ich will Sonne und Sommer? Her mit dem hellen, warmen Papier. Sturm und Regen oder Dämmerung? Oft kann hier graues oder dunkles Papier die richtige Wahl sein.

Alles, was ich noch tun muss, ist die Farbe so aufzutragen, dass der Untergrund durchschimmert. Und ich muss nichts dafür tun die Grundstimmung zu erzeugen, sondern das Papier einfach machen lassen. Die Effekte kommen ganz von allein.

 

 

Dieses Bild ist auf dunkelblauem Papier gemalt (z.B. in den rosa Teilen der Wolken direkt über dem Leuchtturm schimmert das dunkle Papier durch). Die Abendstimmung ist fast von allein enstanden, und bei dunklem Untergrund leuchten die hellen Bildbereiche automatisch umso mehr.

 

Kein extrem sonniger Tag, aber hell. Das Motiv hatte so viele blaue und gräuliche Bereiche. Wenn man das alles mit Pastellen füllen muss, wird es kompliziert. Der Untergrund hier war in einem relativ hellen Grau-Blau gewählt. Wie bei dem Apfel oben musste ich nur noch einige hellere und dunklere Stellen darauf setzen. Wenn dann beim Malen Bildbereiche nicht ganz ausgefüllt sind, trägt das nur zum Erzeugen der Bildstimmung bei, ist aber nicht nachteilig.

 

 

Herbst und Sonne, eine kleine Skizze. Ich habe einen hellgelben, warmen Untergrund gewählt um genau diese Stimmung als Basis für die Skizze zu haben. Wäre es mir mehr um das Aufleuchten der gelben Farben gegangen als um die Gesamtstimmung, hätte ich vermutlich zu einem dunklen Papier gegriffen.

3. Harmonie ins Bild bringen

 

 

Bildelemente passen besser zusammen und wirken harmonischer.

Kennt jemand Bilder, bei denen Vorder- und Hintergrund irgendwie nicht zusammenpassen wollen? Sie wirken wie losgelöst voneinander.

Wenn ich mich für eine bestimmte Papierfarbe entscheide, entsteht schon automatisch Harmonie im Bild. Im Vorder-, Mittel- und Hintergrund schimmert die Papierfarbe durch. Alle diese Ebenen wirken durch das Vorhandensein ein und derselbsen Hintergrundfarbe miteinander verbunden. Das Resultat: Das Bild wirkt harmonischer und alle Bildbereiche passen zusammen.

4. Leben in Flächen und Leuchten ins Bild bringen

Der richtig gewählte Hintergrund lässt Farben virbrieren.

Klassische Farblehre: Es gibt Farben, die lassen ihre Nachbarfarben aufleuchten. Ein Orange auf weißem Papier ist zwar immernoch Orange und wirkt auch hell und freundlich. Aber auf einen dunklen Untergrund gesetzt leuchten die Pigmente plötzlich los! Der Kontrast zwischen Pigment und Untergrund verstärkt die Wirkung der Farben. Grün auf Rot oder Violett gesetzt wirkt gleich weniger künstlich. Wenn bei größeren Farbflächen eine Untergrundfarbe durchschimmert, wirkt die Fläche direkt lebendiger und nicht so rein geometrisch. Und für all das muss man nichts tun, außer den Untergrund machen zu lassen. 

 

 

 

 

 

 

 

Der obere rechte Bereich des Bildes ist relativ flächig. Durch Kombination leicht verschiedener Farben und das Durchschimmern des Untergrundes (Detailaufnahme unten) wirkt er lebendiger. Und, wie oben beschrieben, lässt der dunkle Untergrund die rostigen Stellen des Rades fast von allein leuchten.

 

 

 

 

 

 

Hier wird es deutlich: links ein helleres Papier, rechts ein dunkleres, die Farben auf beiden Seiten die selben. Die Leuchtkraft der hellen und kräftigen Pastelle (die hellen Orange/Braun- und die hellen Rottöne) kommt auf dem dunkleren Papier viel besser zur Geltung, besonders deutlich bei der obersten und untersten Farbe. Die dunkleren Farben wirken auf dem hellen Papier etwas satter.

 

Fazit

Die Farbe des Papiers beeinflusst so viel: Die Bildstimmung, die Leuchtkraft der Farben, den Farbauftrag. Und das Wichtigste für mich ist, dass der Untergrund beeinflusst, wie viel ich selbst tun muss um meinem Bild die gewünschten Wirkungen und Effekte zu verpassen. Eine Untergrundfarbe wählen zu müssen zwingt mich außerdem dazu, im Voraus über mein Bild nachzudenken. Meinen Bildern hat das wirklich gut getan. Wer noch eine Schippe drauf setzen möchte, setzt sich mit dem Thema Untermalungen auseinander. Hier kann man, wenn man möchte, für jeden einzelnen Bildbereich den Hintergund gezielt so gestalten, dass er bestmöglich zum Motiv passt.

Mein Fazit: Mut und Experimentierfreude beim Untergrund lohnen sich, also ran an das farbige Papier!